Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Schweiz gewinnt weiter an Breite und Tiefe: Mit neuen Forschungsdurchbrüchen, realen Anwendungen im Energiesektor und wegweisenden Sicherheitsstandards zeigt die vergangene Woche, wie KI den Alltag, aber auch die Herausforderungen für KMU neu prägt. Entscheiderinnen und Entscheider müssen strategisch reagieren, um Chancen zu nutzen und Risiken wirksam zu steuern.
KI wird Alltag in Schweizer Unternehmen – aber die Hürden bleiben
Laut einer aktuellen EY-Umfrage verwenden inzwischen 89 % der Mitarbeitenden in Schweizer Unternehmen KI-basierte Tools im Berufsalltag. 55 % der Firmen setzen KI gezielt in Geschäftsbereichen ein; weitere 31 % erproben noch Pilotanwendungen. Lediglich 14 % verzichten bislang vollständig auf Künstliche Intelligenz. Treiber sind vor allem Effizienzsteigerung, Innovationsdruck und die unkomplizierte Verfügbarkeit generativer KI-Modelle.
Allerdings zeigen sich auch die typischen Stolpersteine: Viele Schweizer Unternehmen kämpfen mit fehlender Datenqualität, Datenschutzfragen und dem Mangel an spezialisierten Fachkräften. Gerade für KMU bleibt es zentral, nachhaltige Datenstrategien aufzubauen und internes Wissen zu fördern, um langfristig von KI zu profitieren.
Praxis-Tipp
Bauen Sie pragmatische KI-Projekte schrittweise auf. Der Fokus sollte zunächst auf Bereichen liegen, in denen Datenbasis und Prozesse bereits solide sind – etwa bei der Automatisierung repetitiver Aufgaben oder der Verbesserung von Support-Prozessen.
KI für Infrastruktur: EPFL & SBB optimieren das Bahnnetz
In einem gelungenen Beispiel für Schweizer Forschungstransfer hat die EPFL gemeinsam mit der SBB ein KI-basiertes Modell entwickelt, das den Stromverbrauch des Bahnnetzes bis zu 80 % präziser vorhersagen kann – insbesondere dort, wo Prognosefehler bislang teuer waren. Durch eine genauere Einschätzung des Energiebedarfs lassen sich Kosten sparen und die Versorgungssicherheit erhöhen.
Was heisst das für KMU? Auch kleinere Unternehmen können von solchen Entwicklungen profitieren – sei es, indem sie die eigenen Energieflüsse mithilfe von KI besser steuern oder von neuen, auf Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit ausgelegten Infrastrukturlösungen der grossen Anbieter profitieren. Mittelständische Produktionsbetriebe oder Logistikunternehmen könnten etwa eigene Verbrauchsdaten mit KI analysieren, um Kosten und CO₂-Fussabdruck zu senken.
Forschungserfolg: ETH Zürich löst mathematische Probleme mit KI-Agenten
Beim internationalen Wettbewerb „First Proof Challenge“ konnte ein Team der ETH Zürich ein KI-gestütztes Agentensystem präsentieren, das bei mathematischen Forschungsproblemen eine Bestleistung erzielte: Sechs von zehn komplexen Aufgaben wurden gelöst – ein Meilenstein, der das Potenzial spezialisierter KI-Lösungen in der Wissenschaft demonstriert.
KMU-Perspektive: Dieser Fortschritt zeigt, wie KI helfen kann, komplexe, datengetriebene oder logische Aufgaben zu bewältigen – zum Beispiel in der Produktentwicklung, bei Simulationen oder der Optimierung von Lieferketten. Unternehmen sollten erwägen, eigene „Mini-Challenges“ zu definieren, bei denen KI gezielt für anspruchsvolle Teilaufgaben getestet wird.
Cyber-Risiken: KI-generierte Inhalte werden schwerer erkennbar
Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) warnt aktuell davor, dass KI-gestützte Phishing-Mails und Fake-Webseiten immer raffinierter werden. Die immer realistischeren Inhalte erschweren die Erkennung von Betrugsversuchen, was insbesondere für KMU ein ernstes Risiko darstellt – von finanziellen Schäden bis zum Vertrauensverlust bei Kunden.
Empfehlung für Schweizer Unternehmen:
- Sensibilisieren Sie Ihr Team für aktuelle Betrugsmaschen und setzen Sie auf regelmässige Awareness-Schulungen.
- Prüfen Sie technische Lösungen, zum Beispiel Browser-Erweiterungen oder spezialisierte E-Mail-Filter, die KI-gestützte Inhalte erkennen können.
- Aktualisieren Sie Ihre Richtlinien zum Umgang mit verdächtigen Inhalten und Vorfällen.
Fortschritte bei KI-Sicherheit und Verantwortlichkeit
Mit dem neuen Evaluations-Framework von EPFL und dem United Nations International Computing Centre (UNICC) entsteht ein praxistauglicher Standard, um die Sicherheit und Verlässlichkeit grosser Sprachmodelle (LLMs) zu bewerten. Für Unternehmen wird es künftig einfacher, die Risiken von generativen KI-Systemen systematisch einzuschätzen und besser abzusichern.
Was heisst das für KMU konkret? Wer KI-Lösungen auswählt oder einsetzt, sollte gezielt nach Anbietern und Tools fragen, die sich an solchen Prüfstandards orientieren. Das schafft Transparenz, minimiert Haftungsrisiken und vereinfacht den Nachweis verantwortungsvollen Handelns gegenüber Partnern, Kunden und Behörden.
Fazit: Chancen erkennen, Risiken steuern
Die Woche zeigt: KI ist keine Zukunftstechnologie mehr, sondern prägt bereits die operative Realität Schweizer Unternehmen – mit allen Chancen und Herausforderungen. Wer als KMU die Entwicklungen beobachtet, gezielt Know-how aufbaut und rechtzeitig auf verantwortungsvolle Standards achtet, verschafft sich handfeste Vorteile im Wettbewerb.
Häufige Fragen
Wie weit ist die KI-Nutzung bei Schweizer KMU inzwischen verbreitet?
Aktuellen Umfragen zufolge setzen rund 55 % der Schweizer Unternehmen KI bereits gezielt in Geschäftsbereichen ein, weitere 31 % testen Pilotprojekte. Nur 14 % haben bisher keine KI-Initiativen gestartet.
Was sind die grössten Hürden für KI-Projekte in Schweizer Unternehmen?
Die wichtigsten Hindernisse sind mangelnde Datenqualität, Unsicherheiten beim Datenschutz sowie der Fachkräftemangel für spezialisierte KI-Rollen.
Wie können KMU von KI-basierten Prognosemodellen profitieren?
KMU können beispielsweise Energieverbrauch, Bestände oder Nachfrage besser vorhersagen und so Kosten senken oder ihre Prozesse optimieren, ähnlich wie die SBB dies mit dem Bahnnetz vormacht.
Welche Rolle spielt Cybersicherheit im Zusammenhang mit KI?
Mit der Zunahme KI-generierter Inhalte steigt das Risiko von Phishing und Betrug. Unternehmen sollten regelmässig schulen, technische Filter nutzen und interne Meldeprozesse stärken.
Warum sind neue Prüfstandards für KI-Modelle wichtig?
Praktische Bewertungs-Frameworks wie von EPFL und UNICC helfen Unternehmen, verlässliche und sichere KI-Modelle auszuwählen und regulatorische Anforderungen leichter zu erfüllen.
Quellen
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